Archiv der Kategorie: Ausflüge

Stadtführung zu skurrilen Ecken in Braunschweig

Gestern also war es dann doch so weit.

Unsere Stadtführung in die City hatten wir wegen des wahnsinnig heißen Wetters um eine Woche verschoben. Und gestern war es dann nicht mehr wahnsinnig heiß – aber pünktlich um 14 Uhr regnete es. Also ein wahnsinniger Start. Davon ließ sich unsere Stadtführerin nicht sehr beeindrucken. Sie erzählte uns eben erst einmal was zur Geschichte Braunschweigs in der Touristinfo, vor der wir uns getroffen hatten. Der Regen verzog sich und wir zogen ebenfalls nach draußen. Über den Burgplatz, zurück durch die Stadt und weiter zum Magniviertel, hin und her. Die Blicke wurden nach oben gelenkt, nach unten, nach rechts und links, begleitet von vielen Ah’s und Oh’s und ach, das wusste ich noch gar nicht; hier stand mal das Haus ursprünglich?!

Es war eine Freude, die Stadt zum Teil neu zu entdecken. Für manchen Braunschweiger war es die erste Stadtführung, denn schließlich kennt man ja seine Stadt (so glaubt man).

Den Abschluss sollte eine schöne Tasse Kaffee mit einem Stück Kuchen im idyllischen Garten des Café Kreuzgang bilden. Doch wie der Anfang so das Ende: Regen, Regen, Regen!

Also Tische in den Kreuzgang gestellt und dort gesessen. Ist ja auch schön. Den Nachhauseweg konnten wir wieder trockenen Fußes antreten.

Ach ja, die skurrilen Ecken, wo sind die denn? Die verrate ich Ihnen natürlich nicht. Denn Sie sollten die Stadtführung mal selbst mitmachen!

Auf in die Rattenfängerstadt Hameln

Am 24. April 2018 fahren wir mit der Bundesbahn nach Hameln. Die Stadt wird sich von ihrer schönsten Seite zeigen und im Rattenfänger-Theater werden wir von der berühmtesten Geschichte der Stadt erfahren. Im Paulaner-Rattenkrug(!) wird man uns – na, was wohl? – hoffentlich keine Ratten servieren.  Egal, wie das Wetter wird, wir werden eine Schiffsfahrt auf der Weser unternehmen. Das alles für 20 Euro, ohne Mittagessen. Es lohnt sich also mit dem Bürgerverein unterwegs zu sein.

Nach der Fahrt mehr!

Justiz im Nationalsozialismus

Besuch des Bürgervereins Weststadt in der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel



Auf Initiative von Hans-Werner Quast fuhr eine Gruppe des Bürgervereins nach Wolfenbüttel. Im ehemaligen Festungsgebäude des Herzogtums Braunschweig befindet sich heute die JVA. Während der NS-Diktatur war das ehemalige Zuchthaus eine der größten Haft- und Hinrichtungsstätten Norddeutschlands.

Seit 1990 wurden innerhalb der JVA eine Dauerausstellung sowie eine Gedenkstätte im ehemaligen Hinrichtungsgebäude eingerichtet. Eine Besichtigung unter pädagogischer Begleitung ist nach mehrwöchiger vorheriger Anmeldung möglich.

Am Eingang empfing uns Robert Heldt. Neben seiner Unterrichtstätigkeit, als Lehrer, betreut er in der Gedenkstätte Schulklassen und Erwachsenengruppen. Nach Sicherheitscheck und Abgabe der Mobiltelefone gelangten wir auf einen Innenhof. Der dient als Aufenthaltsbereich für Personen, die kurz vor der Haftentlassung stehen. Das Informationszentrum befindet sich in einem ca. 50qm großen Raum. Dort waren früher 30-35 Gefangene untergebracht.
Anhand einer Vielzahl von Dokumenten wurde deutlich, dass Strafen völlig willkürlich und oft unfassbar grausam waren. Unterschiedlich je nach Leumund, Gruppenzugehörigkeit und Nationalität. Seit 1939 und besonders nach 1941 häuften sich Todesurteile.

Im damaligen Hinrichtungsgebäude in der Mitte des Innenhofes ist heute die Gedenkstätte: „Justiz im Nationalsozialismus. Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes.“ eingerichtet. Zum Tode Verurteilte wurden am Vorabend in das Gebäude gebracht – Frauen aus dem Gefängnis Rennelberg. Zur Hinrichtung reisten ein angestellter Henker nebst zwei Helfern von einem Gefängnis zum nächsten. Die Zahl der Hingerichteten kann nur anhand der Aufzeichnungen eines Priesters geschätzt werden; es waren mindestens 527 Personen. Eine große Anzahl der Leichname wurde in die Anatomie der Universität Göttingen verbracht, die Angehörigen sogenannter „Nacht-und-Nebel“-Gefangener (häufig Widerstandskämper), benachrichtigte niemand.

Demnächst soll ein Informationsgebäude (Museum) außerhalb der JVA errichtet werden.
Ein Buch mit Aufsätzen und Dokumenten zur Ausstellung (ISBN 3-7890-8179-5) ist im Nomos Verlag Baden-Baden erschienen.

Wolfgang Bolm