Justiz im Nationalsozialismus

Besuch des Bürgervereins Weststadt in der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel



Auf Initiative von Hans-Werner Quast fuhr eine Gruppe des Bürgervereins nach Wolfenbüttel. Im ehemaligen Festungsgebäude des Herzogtums Braunschweig befindet sich heute die JVA. Während der NS-Diktatur war das ehemalige Zuchthaus eine der größten Haft- und Hinrichtungsstätten Norddeutschlands.

Seit 1990 wurden innerhalb der JVA eine Dauerausstellung sowie eine Gedenkstätte im ehemaligen Hinrichtungsgebäude eingerichtet. Eine Besichtigung unter pädagogischer Begleitung ist nach mehrwöchiger vorheriger Anmeldung möglich.

Am Eingang empfing uns Robert Heldt. Neben seiner Unterrichtstätigkeit, als Lehrer, betreut er in der Gedenkstätte Schulklassen und Erwachsenengruppen. Nach Sicherheitscheck und Abgabe der Mobiltelefone gelangten wir auf einen Innenhof. Der dient als Aufenthaltsbereich für Personen, die kurz vor der Haftentlassung stehen. Das Informationszentrum befindet sich in einem ca. 50qm großen Raum. Dort waren früher 30-35 Gefangene untergebracht.
Anhand einer Vielzahl von Dokumenten wurde deutlich, dass Strafen völlig willkürlich und oft unfassbar grausam waren. Unterschiedlich je nach Leumund, Gruppenzugehörigkeit und Nationalität. Seit 1939 und besonders nach 1941 häuften sich Todesurteile.

Im damaligen Hinrichtungsgebäude in der Mitte des Innenhofes ist heute die Gedenkstätte: „Justiz im Nationalsozialismus. Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes.“ eingerichtet. Zum Tode Verurteilte wurden am Vorabend in das Gebäude gebracht – Frauen aus dem Gefängnis Rennelberg. Zur Hinrichtung reisten ein angestellter Henker nebst zwei Helfern von einem Gefängnis zum nächsten. Die Zahl der Hingerichteten kann nur anhand der Aufzeichnungen eines Priesters geschätzt werden; es waren mindestens 527 Personen. Eine große Anzahl der Leichname wurde in die Anatomie der Universität Göttingen verbracht, die Angehörigen sogenannter „Nacht-und-Nebel“-Gefangener (häufig Widerstandskämper), benachrichtigte niemand.

Demnächst soll ein Informationsgebäude (Museum) außerhalb der JVA errichtet werden.
Ein Buch mit Aufsätzen und Dokumenten zur Ausstellung (ISBN 3-7890-8179-5) ist im Nomos Verlag Baden-Baden erschienen.

Wolfgang Bolm

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